Stationäre Jugendhilfe: Eltern-Kind-Haus Weitblick

Die Einrichtung
Das Eltern-Kind-Haus Weitblick ist eine vollstationäre Jugendhilfeeinrichtung für die Betreuung von Müttern oder Vätern mit deren Kind. Die elterliche Bezugsperson ist für die Sorge des Kindes selbst verantwortlich, sie erhält dafür eine bedarfsorientierte Unterstützung seitens des hausinternen pädagogischen Fachteams. Die individuellen Hilfestellungen haben das Ziel, die Eltern-Kind-Bindung aufzubauen, zu stärken und zu stabilisieren, so dass das Kindeswohl gesichert und stabilisiert ist und das Kind sich psychisch und physisch optimal entwickeln kann. Die Einrichtung bietet 12 Apartments mit zwei oder drei Zimmern in familiärer Atmosphäre, bereits möbliert und den Bedürfnissen einer Familie entsprechend ausgestattet.
Dem Aufenthalt liegt in aller Regel der §19 SGB VIII zu Grunde. Die Unterbringung kann im Einzelfall auch auf Grundlage der §34 ,35a, oder 41 SGB VIII erfolgen. Ebenfalls möglich sind Inobhutnahmen von Kindern und Jugendlichen gem. §42 SGB VIII, die während eines Aufenthaltes in der Einrichtung notwendig werden oder eine durch Familiengerichte angeordnete Unterbringung gem. §312 FamFG.

Konzept

  • Individuelle Begleitung durch einen Bezugsbetreuer/in
  • 24- Stunden Betreuung durch Fachpersonal
  • Differenziertes bedarfsorientiertes Vier- Phasen- Modell
  • Partizipation / Teilhabe der Kleinfamilien in allen Bereichen
  • Familiäre Atmosphäre und Gruppenleben
  • Unterstützung bei der realistischen Zukunftsplanung
    (Berufsfindung, Schulabschluss, Wohnort…)
  • Nachbetreuung und Begleitung in ein eigenständiges Leben

 

Zielgruppen

Zielgruppen sind werdende Mütter (schwangere Frauen nach der 12. Schwangerschaftswoche), Mütter / Väter ab dem 12. Lebensjahr mit Kindern bis zum 6. Lebensjahr und ggf. auch älteren Geschwistern. Auf Grund unserer jahrzehntelangen fachlichen Erfahrungen und unseres ausgebauten Netzwerkes im Suchthilfe- und Jugendbereich bietet unsere Einrichtung auch Müttern/ Vätern mit abgeschlossener Behandlung einer Abhängigkeitserkrankung kompetente und fachkundige Betreuung an. Ebenso Eltern, die sich in einer Substitutionsbehandlung mit Bubrenorphin befinden können aufgenommen werden.

 

Aufnahme
Eine Aufnahme erfolgt durch die Vermittlung des zuständigen Jugendamtes der Mutter/ des Vaters. Vor der Aufnahme findet ein Informationsgespräch mit den Eltern, den Mitarbeitenden der Einrichtung und des entsendenden Amtes statt. Im Gespräch werden die Einrichtung und die Arbeitsweise vorgestellt. Ein erster Eindruck vom Hilfebedarf der Mutter/des Vaters wird ermittelt. In Ausnahmen ist ein Probewohnen in der Einrichtung möglich. Nach positiver Entscheidung aller Beteiligten und dem Vorliegen einer schriftlichen Kostenzusage der zuständigen Behörde kann die Aufnahme in jeder der vier Phasen erfolgen.

 

Mögliche Gründe für die Aufnahme in die Einrichtung können folgende sein:

  • Sicherung von Kindswohlgefährdung
  • Persönliche, familiäre, soziale oder emotionalen Schwierigkeiten innerhalb des bestehenden Familiensystems
  • Psychische Erkrankung der Mutter / des Vaters (Depression, Suchtmittelabhängigkeit, etc….)
  • Gewalterfahrungen bzw. Traumata in der Ursprungsfamilie des Elternteils
  • Impulskontrollstörungen von Vater oder Mutter
  • Fehlende Reife und Überforderung durch Minderjährigkeit der Mutter

 

Angebote

Spezielle Angebote für Eltern und Kind:

  • Einkaufstraining
  • Tägliche medizinische Begleitung der Kinder
  • Kochtraining und Hilfen zur Haushaltsführung
  • Hausinterne Kinderbetreuung
  • Gruppenangebote zur Spiel-. Bewegungs- und Sinnesanregung für Eltern und Kinder
  • Ernährungsberatung und Begleitung bei der Kinderernährung
  • Marte Meo: Erziehungsberatung durch videogestützte Analyse der Eltern-Kind-Kommunikation
  • SAFE: Handlungsproramm zur Förderung einer sicheren Bindung zwischen Eltern und Kind
  • EPB: Entwicklungspsychologische Beratung zum altersgerechten Umgang mit Säuglingen
  • Anregung zur aktiven Freizeitgestaltung durch Sport-, Bewegungs- und Freizeitangebote

 

Zusätzliche bedarfsorientierte Angebote:

  • Psychologische Betreuung
  • EEH: Emotionale Hilfe: Unterstützung für Eltern mit (sogenannten) Schreibabys
  • Babymassage und Rückbildungsgymnastik
  • edukative Gruppe zur Abhängigkeitserkrankung und zum Rückfallprophylaxetraining
  • Skills-Training zur Selbstbehauptung und zum Konfliktlösungsverhalten
  • Interne Schuldenberatung
  • SKOLL: Selbstkontrolltraining
  • ZRM: Selbstmanagement-Training

 

Betreuungsmodell
Unsere Betreuung beinhaltet vier Phasen. Die verschiedenen Phasen richten sich nach dem Entwicklungsstand und dem persönlichen Bedarf von Mutter/ Vater und Kind. Die Aufnahme in die entsprechende Phase erfolgt dem individuellen Hilfebedarf der Kleinfamilie. Die Betreuungsdauer wird gemeinsam mit allen am Hilfeplan beteiligten Parteien festgelegt.

Die Clearingphase mit drei verfügbaren Plätzen ist die erste Phase des Hauses. Zielsetzung des Clearings ist eine qualifizierte Wahrnehmung und Beurteilung des mütterlichen/väterlichen Erziehungs-, Beziehungs- und Bindungsverhaltens gegenüber dem eigenen Kind durch pädagogische Fachkräfte. Außerdem die Prävention von Kindeswohlgefährdungen durch engmaschige Aufsicht des Fachpersonals und videogestützte Methoden. Die Phase zeichnet sich durch eine intensiven Betreuungsschlüssel von 1: 0,66 (Mitarbeiter/in: Bewohner/in) aus.

Die zweite Phase ist die Trainingsphase mit fünf verfügbaren Plätzen, aufgeteilt auf vier Zweizimmer-Apartments und ein Dreizimmer-Apartment. Zielsetzung ist die Befähigung zur eigenverantwortlichen Übernahme der Erziehungsverantwortung bei Wahrung des Kindeswohls und einer altersgemäßen Förderung des Kindes. Angebote finden mit Blick auf die Förderung der Elternkompetenz und der Eltern-Kind-Bindung statt. Der Betreuungsschlüssel liegt bei 1:1 (Mitarbeiter/in: Bewohner/in).

Die dritte Phase ist die Wohnphase. Zielsetzung ist hier ein weitgehend eigenverantwortliches Zusammenleben mit dem Kind mit einem fortdauernden Beratungs- und Hilfeangebot durch die Einrichtung. Die Aufenthaltsdauer in dieser Phase ist nicht begrenzt, sondern richtet sich nach den Entwicklungsfortschritten von Eltern und Kind, deren Stabilität, sowie deren Wünsche nach Autonomie und Verselbstständigung. Zur Verfügung stehen zwei Dreizimmerapartments und es gilt ein standardisierter Betreuungsschlüssel von 1:1,8 (Mitarbeiter/in: Betreuer/in).

Die vierte Phase im Haus ist die Verselbstständigung. Ziel in dieser Phase ist die selbstständige Gestaltung der Haushaltsführung und eigenständiges Verfolgen von beruflichen oder schulischen Zielen. Erlernte und entwickelte Verhaltensmuster sollen in allen Lebensbereichen erprobt werden und eine Perspektive für die zukünftige Lebensgestaltung mit Kind vorbereitet werden. Dabei gibt es weiterhin Unterstützung und Angebote durch Betreuer/innen. Es gibt maximal zwei Plätze für Mutter oder Vater mit Kind in einem separaten Haus auf dem Gelände der Einrichtung, der Betreuungsschlüssel liegt bei 1:2 (Mitarbeiter/in: Bewohner/in)

 

Team
Im Eltern- Kind- Haus arbeitet ein multidisziplinäres Team, welches sich aus folgenden Berufsgruppen zusammensetzt:

  • Sozialarbeiter/innen
  • Sozialpädagogen/innen
  • Erzieher/innen
  • Kinderkrankenschwestern
  • Hebamme
  • Psychologin
  • Hauswirtschaftsmeisterin
  • Hausmeister
  • Verwaltungsangestellte

 

Träger

Jugendberatung und Jugendhilfe e.V.

Gutleutstraße 160-164
60327 Frankfurt

www.jj-ev.de

 

Zertifiziert nach DIN EN ISO 9001:2015

 

 

Der Verein Jugendberatung und Jugendhilfe e.V. besteht seit 1975 und ist Träger von Einrichtungen und Diensten im Bereich der Jugend-, Eingliederungs- und Suchthilfe. Im Rhein-Main-Gebiet betreiben wir an über 50 Standorten im Verbund Angebote zur Prävention, Suchtberatungsstellen, Substitutionsambulanzen, ein Krankenhaus, Fachkliniken der medizinischen Rehabilitation, Betreutes Wohnen, Schulen, Wohn- und Pflegeeinrichtungen sowie ambulante Dienste und stationären Einrichtungen für Kinder, Jugendliche und deren Familien. De Verein beschäftigt mehr als 900 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.